Bewusst

fragmentarisch gehaltene Szenen und eine episodische Struktur versuchen, das Provisorium, die Vorläufigkeit der aktuellen Lebenssituation der jungen Flüchtlinge zu vermitteln.

was wir träumen

Bilder vom Leben jugendlicher Flüchtlinge aus dem Clearing-house

Text: Petra Nagenkögel

Inszenierung: Alex Linse / Theater(Off)ensive

Uraufführung am 15.Mai 2011 in der TriBühne Lehen, Salzburg

 

Sie heißen Alishah oder Ahmad Schah, Omed oder Rasul, Oweezi oder Wahabu, sie kommen aus Afghanistan, Pakistan und Syrien, aus Ghana, Nigeria und Somalia. Was sie verbindet – sie sind als Jugendliche aus ihren Herkunftsländern geflüchtet, alleine, ohne Familienanschluss, sie warten, teilweise über Jahre, auf Asyl oder Abschiebung und leben in völliger Ungewissheit über ihre Zukunft. Was sie mitgebracht haben, sind Erfahrungen von Krieg, Bedrohung und Verlust genauso wie die Sprache, die Musik, die Farben und Gerüche der Länder und Kulturen, aus denen sie kommen. Und sie haben Ängste und Hoffnungen mitgebracht, Träume und Sehnsüchte, Lust auf Spaß und die Vorstellung einer Zukunft in Frieden. Das Stück „was wir träumen“  sucht das Verbindende im Individuellen und eine Begegnung mit Leben, die auch das eigene nicht unberührt lässt.

 

Das Projekt 

Die Initiative zu diesem Theaterprojekt kam vom Fachbeirat für Literaturvermittlung im Landes-Kulturbeirat Salzburg. Seine Anliegen und Ziele waren, öffentliche Aufmerksamkeit für die Arbeit und die Bedeutung des Clearing-house zu schaffen, einen Dialog zwischen österreichischen SchülerInnen und jugendlichen Flüchtlingen zu ermöglichen und durch die Aufführung eines Theaterstücks den meist abstrakten, oft stereotypen Bildern und Vorstellungen von „Asylwerbern“ die Realitäten der Flüchtlinge gegenüberzustellen und damit Verständnis, Empathie und Bewusstsein zu schaffen oder zu fördern.

Ein erster Schritt in der Umsetzung dieses Projekts waren Gespräche – SchülerInnen aus Salzburger Schulen hatten in lockeren, ungezwungenen Begegnungen die Möglichkeit, jugendliche Flüchtlinge kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen, Fragen zu stellen und zuzuhören. Die Gespräche wurden von den SchülerInnen aufgezeichnet und waren die Grundlage für die literarische Bearbeitung und den Theatertext.

Ein nächster Schritt waren Workshops, für die wir uns bewusst Zeit und Raum geben wollten. Wesentlich war uns, eine Atmosphäre von Vertrauen zu schaffen, emotionale oder sprachliche Barrieren abzubauen und spielerisch sichtbar werden zu lassen, wie viel an Potential, Kreativität und Talenten die jugendlichen Flüchtlinge mitbringen.

Die konkrete Arbeit an der Umsetzung des Stücks schließlich war bis zum Schluss bestimmt von der Notwendigkeit zur Improvisation; unterschiedlichste Probenräume und Probensituationen haben die Anpassungsfähigkeit aller Mitwirkenden ebenso gefordert wie die Herausforderung, über die verschiedenen Kulturen und Sprachen hinweg Verständigung möglich zu machen.

Das Stück „was wir träumen“ folgt den Erzählungen der jugendlichen Flüchtlinge, ein großer Teil des Textes besteht aus einer Montage von Originalzitaten. Bewusst fragmentarisch gehaltene Szenen und eine episodische Struktur versuchen, das Provisorium, die Vorläufigkeit der aktuellen Lebenssituation der jungen Flüchtlinge zu vermitteln.